Was zeichnet eine „gute“ Dekompression aus? Mit dieser Frage beginnt unser Seminar Dekompression. Die häufigsten Antworten lauten: „...den Tauchgang ohne gesundheitliche Schäden überstehen...“; „...möglichst schnell wieder aus dem Wasser heraus kommen...“; „...möglichst wenig Dekogas verbrauchen...“. Am Ende des Seminars sind wir uns eigentlich immer einig, dass die Antwort lauten muss: „Eine gute Dekompression zeichnet sich durch eine möglichst geringe Blasenbelastung des Tauchers aus.“.
Im Kern beschäftigen sich deshalb alle modernen Dekompressionsstrategien mit der Vermeidung, Kontrolle, Transport und Abatmen von Inertgas(mikro)blasen. Die Dekompression gliedert sich in drei Phasen:
Phase 1:Bei ca. 70% bis 80% der maximalen Tiefe beginnt die erste Phase. Durch ein extremes Verlangsamen der Aufstiegsgeschwindigkeit (ca. 3m/min è alle 3m / 1 min Stopp), wird das Entstehen von Mikroblasen an Blasenkeimen kontrolliert und reduziert. Dies legt den Grundstein für eine blasenarme Dekompression.
Phase 2: Im Bereich ca. 40-25% der Maximaltiefe, beginnt die zweite Phase. Hier geht es vor allem um die Kontrolle der entstanden Blasen hinsichtlich Anzahl und Größe. Das Blasenaufkommen wird hauptsächlich über die Druckentlastung pro Zeit (Dauer der Dekostopps) gesteuert. Das Abatmen von Mikroblasen und die Reduktion des Blasendurchmesser ist abhängig vom Konzentrationsunterschied (Partialdruckgefälle) zwischen Atemgas und Geweben, dies kann neben der Druckentlastung, sehr effektiv durch die Wahl von sauerstoffreichen Dekogasen positiv beeinflusst werden. Der erste Dekostopp nach dem Gaswechsel, ist der effektivste, da der höchste Sauerstoffpartialdruck herrscht. Hierbei kommt der Effekt des „oxygen windows“ zum Tragen, der zu einem zusätzlichen Abtransport von Inertgas führt. Der Dekompressionsplan sollte so gewählt werden, dass gerade dieser Stopp im Vergleich zu den anderen länger dauert.
Phase 3: Wir nähern uns der Endphase der Dekompression im Flachbereich kleiner 10m. In dieser Phase geht es vor allem um ein effektives Abatmen der Mikroblasen aus der Lunge und um eine möglichst schonende Behandlung dieses Lungenfilters. Hierzu empfiehlt es sich das „oxygen window“ voll zu nutzen. D.h. reine Sauerstoffdekompression auf 6m (keinen 3m Stopp). So erfolgt die effektivste Abatmung und Verkleinerung von Inertgas bzw. Blasen. Doch Vorsicht, durch den hohen Sauerstoffpartialdruck kommt es zum Anschwellen der Lungenbläschenzellmembranen (Alveolen), dies behindert dann denn Gasaustausch. Die Dekompression wird ineffektiv. Deshalb sollte man alle 12 15 min die Sauerstoffatmung für 5-6 min unterbrechen und auf ein möglichst sauerstoffarmes Gemisch umsteigen. Dies führt zum Abschwellen der Alveolenmembran, so dass der Gasaustausch wieder ungehindert erfolgen kann. Aus dem gleichen Grund sollte bei längerer Grundzeit, der Sauerstoffpartialdruck im Bottom Mix eher konservativ (niedrig) gewählt werden, so dass man nicht mit angeschwollenen Alveolen in die Dekompression einsteigt.
Der finale Aufstieg von 6m zur Oberfläche sollte wieder extrem langsam erfolgen (0,5 m/min), da es hier zu der prozentual größten Druckentlastung und somit zum prozentual größten Blasenwachstum kommt.
An der Oberfläche 10-15min Ruhe unter weiterer Sauerstoffatmung lassen die Dekompression optimal Ausklingen.