Heliumhaltigen Dekompressionsgase werden seit Jahren erfolgreich im Technischen Tauchen verwendet.
Dieser Artikel möchte über die Hintergründe und die Strategie des Einsatzes informieren. Auf den ersten Blick klingt es eher widersprüchlich, in einer Phase des Tauchgangs bewußt ein Inertgas (Helium) einzusetzen, anstatt möglichst schnell das Inertgas aus dem Dekogemisch zu verbannen. Um sich die Sättigungs- / Entsättigungsvorgänge klar zu machen, betrachten wir zunächst einen simulierten Trimixtauchgang mit folgenden Eckdaten:
Ø Max. Tiefe: 100m
Ø Bottom Mix: TX13/55
Ø Grundzeit: 15min (davon 8 min in 100m)
Dieser Tauchgang kann so keinesfalls real durchgeführt werden er dient nur zur Veranschaulichung der ablaufenden Mechanismen.
Zur Dekompression verwenden wir zunächst:
Ø Ab 51m Luft
Ø Ab 30m EAN 40
Ø Ab 6m Sauerstoff
Die folgenden Grafiken zeigen die Gewebepartialdrücke der Inertgase in Abhängigkeit von der jeweiligen Tiefe nach Bühlmann.
Dargestellt sind die Kompartimente 1-blau, 4-pink, 7-gelb, 11-magenta, 13-violett
Betrachten wir zunächst die Heliumpartialdrücke. Alle Kompartimente zeigen fallende Partialdrücke, sobald die Dekompression eingeleitet wird (54 m è 0 m) d.h. ein stetiges Entsättigen während der gesamten Dekompression.
Ein ganz anders Bild bei den Stickstoffpartialdrücken. Bis 54 m dem ersten Dekostopp , welcher noch mit Tx13/55 durchführt wird, zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei Helium. Beim Gaswechsel von TX 13/55 (N2-Anteil 32 %) auf Luft (N2-Anteil 79 %) bei 51 m nimmt der Stickstoffpartialdruck im Atemgas dramatisch zu, und zwar von 1,95 bar auf 4,8 bar. Mit Luft hieße dies schlagartig ohne Adaption von 14 m auf 51m Tiefe zu tauchen. Man sieht deutlich, wie sich die schnellen und mittleren Kompartimente (1, 4, 7) weiter aufsättigen. So erreicht Kompartiment 1 in 39 m Tiefe seine maximale Stickstoffsättigung mit 3,64 bar, Kompartiment 4 erst in 30 m Tiefe mit 2,39 bar. Beide Werte liegen deutlich höher als die Gewebepartialdrücke in der Maximaltiefe (100 m).
Dies hat folgende Nachteile:
Führt man nun den Tauchgang mit folgenden Dekogasen durch, ergibt sich ein völlig anders Bild:
Ø Ab 51 m TX21/40
Ø Ab 30 m TX40/15
Ø Ab 6 m Sauerstoff
Sowohl die Helium- als auch die Stickstoffgewebepartialdrücke zeigen eine stetige Abnahme. Beide Inertgase entsättigen über die gesamte Dekompressionsphase kontinuierlich und gleichmäßig.
Die Praxis zeigt, dass man sich nach dem Tauchgang deutlich frischer und besser fühlt. Einige Theorien besagen, dass diese abrupte Stickstoffbelastung Auswirkungen auf das Imunsystem haben könnte.
Auf Grund dieser Ergebnisse empfehlen wir eine Anpassung der Dekogase bezüglich Sickstoff- und Heliumanteil durchzuführen, so dass eine gleichmäßige und kontinuierliche Entsättigung beider Inertgase während der ganzen Dekompressionsphase gewährleistet ist. Der Anteil an Helium hängt unter anderem von folgenden Einflußgrößen ab. Bottom Mix, max. Tiefe, Grundzeit, Tiefe der Gaswechsel.