Interessantes: Dekompression

Es gibt wohl kaum ein Thema, daß die Gemüter beim Technischen Tauchen mehr bewegt als die Wahl des "richtigen" Dekompressionsprogrammes unter Verwendung der optimalen Sicherheitsfaktoren.

Das Dekompressionsmodell nach Prof. Dr. Bühlmann

Prinzipiell setzen 95% aller Programme auf dem von Prof. Dr. Bühlmann entwickelten Modell auf. Dieses Modell geht davon aus, daß sich Inertgas z.B. Stickstoff in unterschiedlichen Geweben unabhängig voneinander löst d.h. aufsättigt. Die Entsättigung erfolgt nach den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie die Sättigung. Dieser Vorgang ist von folgenden Faktoren abhängig: Partialdruck, Zeit, Temperatur, Gewebe. Die Gewebe unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Sättigungs-/Entsättigungsgeschwindigkeit. Bühlmann beschreibt dies mit der sogenannten Halbwertszeit d.h. die Zeit die ein Gewebe braucht um "halb" gesättigt zu sein. Mit dieser Methode kann also zu jeder Zeit des Tauchgangs ein theoretischer Sättigungswert für jedes Gewebe kalkuliert werden. Spätestens beim Auftauchen stellt sich die Frage, wie weit der Umgebungsdruck reduziert werden kann, bevor schädliche Gasblasen entstehen, die eine Dekompressionskrankeit zur Folge haben. Dieser tolerierbare Übersättigungsdruck wurde von Bühlmann in zahllosen Druckkammerversuchen an Geweben und freiwilligen Probanden untersucht. Bühlmann als Mediziner und Forscher war an der Grenze interessiert, bei der gerade noch keine Symptome auftraten. Wie zu erwarten, ergab sich eine Abhängigkeit vom Sättigungsgrad des Gewebes d.h. je höher der Sättigungsgrad desto geringer der tolerierbare Übersättigungsdruck. Weiter ergab sich eine Abhängigkeit von der Halbwertszeit. Je kürzer die Halbwertszeit desto größer war die Toleranz des Gewebes gegen die Reduzierung des Umgebungsdrucks.

Bei extremen Tauchgängen, stößt dieses Modell jedoch an seine Grenzen. Bühlmann berücksichtigte z.B. nicht sogenannte stumme Blasen (Mikroblasen) die zunächst symptomlos blieben. Weitere Untersuchungen zeigten, daß durch diese stummen Blasen das Abatmen des Inertgases (Entsättigung) behindert wird, so daß die Entsättigung in Abhängigkeit von Mikroblasen deutlich langsamer von statten geht als das Sättigen. Weiter können Mikroblasen mittelfristig ebenfalls negative Auswirkungen haben. Bühlmanns Ergebnisse stützten sich auf reine Druckkamerfahrten mit Luft/Sauerstoffgemischen. Die Heliumkoeffizienten wurden theoretisch abgeleitet.

Deep Stops

Das Tauchen im Grenzbereich erfordert also eine Anpassung des Bühlmannmodells an die Gegebenheiten. Eine mögliche Idee besteht darin, nicht bis an die von Bühlmann berechnete Grenze aufzutauchen, sondern die Dekompression deutlich tiefer zu beginnen. Hierdurch wird das Entstehen von Mikroblasen erheblich reduziert. Richard Pyle und Erik C. Baker entwickelten Modelle um Deepstops in Tauchprofile zu integrieren.
Mehr zum Thema Pyle Stopps findest Du hier.

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