Interessantes: Atemgase

Sauerstoff:

Unser Körper benötigt ca. 1 - 1,5 l Sauerstoff pro Minute um seine lebensnotwendigen Stoffwechselprozesse aufrechtzuerhalten. Er nimmt den Sauerstoff über die Lungen aus der Umgebungsluft auf. In den Lungenbläschen (Alveolen) diffundieren Sauerstoffmoleküle durch deren dünne Zellmembran in den Blutkreislauf, dort binden sich die Sauerstoffmoleküle chemisch an das Hämoglobin (roter Blutfarbstoff).
Neben diesen überlebenswichtigen Eigenschaften, hat Sauerstoff bei erhöhten Drücken aber auch äußerst negative Eigenschaften. Schon ein Sauerstoffpartialdruck (Teildruck) von 0,5 bar führt, über Tage geatmet, zu Schädigungen der Lungen. Bei Partialdrücken über 1,6 bar können in Abhängigkeit der Expositionszeit Krampfanfälle auftreten, die Unterwasser zum Tod durch Ertrinken führen.
Aus diesen Gründen ist es sehr wichtig bei der Tauchgangsplanung diese Sauerstofftoxizität mit zu berücksichtigen. Dies geschieht durch die sogenannten CNS und OTU - Werte. Beide Werte werden über den Partialdruck und die Expositionszeit errechnet und sind ein Maß für die Sauerstofftoxizität. Bei einem Tauchgang darf der CNS - Wert nie über 100% steigen, ansonsten besteht die akute Gefahr einer Sauerstoffvergiftung. Der OTU Wert gibt einen Grenzwert für die Tagesdosis Sauerstoff an, wird diese überschritten ist mit Lungenschäden zu rechnen.
Wir erklären Dir im NITROX DIVER KURS wie das Ganze genau funktioniert und wie man eine entsprechende Tauchgangsplanung sicher durchführt.

Stickstoff:

Da Sauerstoff bei hohen Drücken ziemlich gefährlich werden kann, brauchen wir ein Gas zur Verdünnung, um den Sauerstoffpartialdruck auf ein ungefährliches Maß zu reduzieren. Am Einfachsten verwendet man Stickstoff, da er überall in der Atmosphäre vorhanden ist. Stickstoff ist ein Inertgas d.h. er ist chemisch sehr träge und beteiligt sich kaum an chemischen Reaktionen. Aber er diffundiert genauso wie Sauerstoff durch die Alveolen in unseren Körper. Er wird dort nicht verbraucht und muß bei einer Druckreduzierung wieder abgeatmet werden. Ansonsten entstehen im Körper Gasblasen (siehe Dekompression). Steigt der Partialdruck des Stickstoffs über 3 bar kann es zu narkotischen Vergiftungserscheinungen (Tiefenrausch) kommen. Das Auftreten und die Auswirkungen sind individuell sehr unterschiedlich und hängen unter Anderem auch von der Tagesform ab. Ab 4,5 bar Stickstoffpartialdruck (entspricht ca. 47m Wassertiefe mit Preßluft) ist wohl jeder so stark in seiner Handlungsfähigkeit eingeschränkt, daß man sich nicht mehr zumuten sollte.
Im ADVANCED NITORX KURS werden wir Dir zeigen, wie man mit den Symptomen der Stickstoffnarkose umgeht ,bzw. was man tun kann um die Auswirkungen gering zu halten.

Helium:

Um auch in Tiefen jenseits der 50m handlungsfähig zu bleiben, sollte der Stickstoffpartialdruck im Atemgas unter 3 bar liegen. D.h. es muß ein weiteres Gas zur Sauerstoffverdünnung ohne narkotischem Potenzial eingesetzt werden. Helium hat bis in Tiefen über 100m keine negativen Effekte auf den menschlichen Organismus. Es eignet sich also hervorragend als Verdünnergas bei sehr tiefen Tauchgängen. Da Helium sehr viel schneller in die Körpergewebe diffundiert, muß bei der Dekompression sehr sorgfältig vorgegangen werden. Ab ca. 150m kann bei Helium das High Pressure Nervous Syndrom (HPNS) auftreten.

Atemgasgemische:

Luft:

Wegen seiner leichten Verfügbarkeit ist Luft wohl das am häufigsten eingesetzte Atemgasgemisch. In ihrer natürlichen Zusammensetzung (21% Sauerstoff, 78%Stickstoff, 1% Rest) ist Luft nicht unbedingt das ideale Atemgas zum Tauchen. In Tiefen von 0m bis 50m ist ihr Stickstoffanteil unnötig hoch, wir nehmen also unnötig viel Stickstoff auf, mit den oben beschriebenen negativen Auswirkungen. Ab 50m kommt die Stickstoffnarkose hinzu. Ab 66m überschreitet auch der Sauerstoffpartialdruck die Toxizitätsgrenze.

SafeAir - Nitrox:

In Tiefen bis 50m kann der Stickstoffanteil durch Beimischen von Sauerstoff im Atemgas reduziert werden. Ein mit Sauerstoff angereichertes Atemgas wird als NITROX (Enriched Air Nitrox EAN) bezeichnet. Wie bereits beschrieben, ist beim Umgang mit Nitrox die Sauerstofftoxizität sehr genau zu verfolgen. Hochprozentige Gemische bis zu 100% Sauerstoffanteil werden als Dekompressionsgas eingesetzt. Durch die sehr niedrigen Inertgasanteile wird ein hoher Partialdruckgradient erreicht, der das Abatmen der Inertgase beschleunigt und somit die Dekompressionszeit verkürzt.

Trimix:

Ab 50m wird Helium zur Reduzierung der Stickstoffnarkose dem Atemgas beigefügt. Wir verwenden also ein Gemisch aus drei Gasen (Sauerstoff, Stickstoff, Helium) - TRIMIX.
Ab 66m muß der Sauerstoffanteil weniger als die natürlichen 21% betragen, ansonsten wird der maximal zulässige Sauerstoffpartialdruck von 1,6 bar überschritten. Hierzu dient ebenfalls Helium. Das Mischen von Trimix erfordert sehr viel Sorgfalt und Erfahrung, da nur der Sauerstoffanteil mit herkömmlichen Analysegeräten bestimmt werden kann. Ein Fehler im Mischungsverhältnis kann fatale Folgen haben. Ferner verkompliziert sich die Dekompression.

Mehr zum Thema: Einsatz von heliumhaltigen Dekompressiongase findest Du hier

Falls Du tiefer in die gängigsten Dekompressionstheorien oder Programme einsteigen willst empfehlen wir Dir unser SEMINAR DEKOMPRESSION